Blick auf
Erfahrung

Psychische Belastungen und Suchterkrankungen sind ein Tabuthema - vor allem in Familien. Kinder von psychisch oder suchtkranken Eltern lernen oft von klein auf, das Familiengeheimnis zu wahren und die Erwachsenen zu schützen - und verlernen so, ihren Gefühlen zu trauen und sich denen zu öffnen, die helfen könnten.

Wir möchten Betroffenen eine Stimme geben: Dafür suchen wir (erwachsene) Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien oder betroffene Eltern, die ihre Erfahrungen zu Papier bringen.

Sie möchten mitmachen? 
Dann verfassen Sie gern einen Erfahrungsbericht über alltägliche Situationen oder Momente, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind. Die Texte sammeln wir und fassen sie am Ende (auf Wunsch anonym) in einer Broschüre und auf unserer Homepage zusammen. So möchten wir anderen Betroffenen Mut machen und Ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind.

Wir freuen uns, von Ihnen zu lesen!
Wenn Sie mitmachen möchten, melden Sie sich gern bei uns: tanja.bodendorf@sozialpsychiatrie-mv.de
Sollten Sie Personen kennen, die Interesse haben, leiten Sie gern unseren Flyer weiter. 

Gar nicht so einfach, Erinnerungen zu sortieren und zu Papier zu bringen?

Anregungen für den Schreibprozess

Manchmal bin ich ja genau deswegen schon morgens auf dem Weg zur Schule wütend. Wenn zum Beispiel die Milch mal wieder fehlt oder die Wäsche seit Tagen nass in der Maschine bleibt. Ich schaff ja auch nicht immer alles, was ich mir vornehme.
Kind einer psychisch krankten Mutter
Weil wir jetzt überhaupt reden können, erzählen wir auch mit anderen darüber. Nicht nur in der Therapie, sondern auch mit Freunden und Bekannten. Familiengeheimnisse gibt es ja wirklich überall, das ist also nix Schlimmes. Außerdem bin ich heilfroh, dass wir mit allem Mist bei uns zu Hause doch eine Familie sind, wo alle ein gutes Herz haben.
zweifacher Vater, der an einer Suchterkrankung leidet
Und vor ein paar Wochen habe ich gemerkt, dass ich gar keine Gefühle mehr hatte. Ich habe aufgegeben, stark zu sein, weil es nicht geholfen hat. Keinem. Deswegen habe ich mit meiner Ärztin beschlossen, dass ich ganz in eine Klinik gehe.
zweifache Mutter mit einer psychischen Belastung
Papi tat mir so leid. Auf einmal war er so klein, obwohl ich ihn immer als großen Bären gemalt habe und ich kenne das ja gut mit dem Traurigsein. Ich weiß ja auch, dass ich vor ihm keine Angst haben muss, aber damals wusste ich nie, warum er aus dem Nichts so wütend wurde.
Kind eines suchterkrankten Vaters
Es ist so wichtig, die Mütter gezielt zu unterstützen, damit die Kinder sich gesund entwickeln können, damit sie trotzdem ihre Bezugspersonen haben und sich was Stabiles, Sicheres aufbauen kann.
Psychisch erkrankte Mutter eines Kindes im Grundschulalter
Bevor ich mich getrennt habe, habe ich mich getraut, mich beim Jugendamt beraten zu lassen, (…) weil ich unter einer psychischen Erkrankung leide. Und da wurde mir wirklich sehr wohlwollend gesagt: "Nein, da müssen Sie sich keine Sorgen machen. Nur weil jemand Angst oder Depressionen hat, nimmt man Ihnen Ihr Kind nicht weg.“
Psychisch erkrankte Mutter eines Kindes im Grundschulalter
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