Niemand ist schuld daran, wenn deine Mutter oder dein Vater seelisch erkrankt sind – vor allem nicht du. Kinder und Jugendliche haben oft das Gefühl, dass es an ihnen liegt, wenn es den Eltern schlecht geht. Du musst aber wissen: Du bist nicht schuld. Eine psychische Erkrankung kann verschiedene Auslöser haben.
Biologische Auslöser
Körperliche Erkrankungen wie Stoffwechselveränderungen oder Störungen der Hirnfunktion, aber auch genetische Veranlagungen können dazu führen, dass man psychisch erkrankt. Das bedeutet nicht, dass auch du betroffen bist.
Soziale Auslöser
Der Tod eines geliebten Menschen, Beziehungsprobleme, Überforderung am Arbeitsplatz, Mobbing: Wenn die Belastungen im Alltag zu groß werden, löst das Stress in uns aus. Das kann auf lange Sicht zu psychischen Erkrankungen führen.
Psychologische Auslöser
Bestimmte Erfahrungen wie ein schwerer Unfall oder eine Gewaltsituation können psychisch krank machen. Auch ein geringes Selbstwertgefühl oder traumatische Erlebnisse in der eigenen Kindheit können eine Erkrankung begünstigen.
Alle Menschen kennen ein Auf und Ab der Gefühle. An einem Tag ist man glücklich und dann auch mal traurig. Das gehört zum Leben dazu und ist völlig normal. Wenn ein sehr starkes Gefühl aber über Wochen anhält und das Leben beeinträchtigt, spricht man von einer psychischen Erkrankung.
Menschen, die daran leiden, benötigen oft Hilfe von Ärzt*innen oder Psychotherapeut*innen. Manchmal müssen sie auch Medikamente nehmen.
Es gibt verschiedene psychische Erkrankungen, die sich unterschiedlich anfühlen und auswirken und deswegen auch unterschiedliche Namen haben: Es gibt zum Beispiel Depressionen, bipolare Störungen, Angst- und Zwangserkrankungen, Essstörungen, Suchterkrankungen, Psychosen, Schizophrenien oder Persönlichkeitsstörungen wie Borderline-Persönlichkeitsstörung. Woran genau eine Person erkrankt ist, stellen am besten Fachleute fest und besprechen, wie es weitergeht.
Bei vielen Menschen, die psychisch erkrankt sind, lässt sich aber folgendes beobachten:
Auch eine Sucht ist eine psychische Erkrankung und kann verschiedene Gesichter haben. Manche Menschen trinken regelmäßig sehr viel Alkohol, andere nehmen Cannabis oder andere Drogen. Auch Essstörungen (wie Bulimie oder Magersucht) und Spielsucht (wie Glücksspiel im Casino oder online) gehören dazu.
Meistens brauchen erkrankte Erwachsene Hilfe von Ärzt*innen oder Psychotherapeut*innen. Manchmal ist es auch notwendig, dass ein Elternteil für einige Wochen in eine Klinik geht, um sich behandeln zu lassen. Einige Erkrankungen werden mit Medikamenten behandelt.
Das kann deiner Mutter oder deinem Vater im Alltag helfen:
Aber: Es ist als Kind nicht deine Aufgabe, dich um deine Eltern zu kümmern und es ist auch nicht deine Schuld, wenn es ihnen nicht besser geht. Denk immer daran, dass deine Eltern eine Krankheit haben. Auch wenn sie dich lieb haben und sich wünschen, dass die Krankheit einfach weggeht, ist das manchmal nicht so einfach.
All deine Gefühle sind in Ordnung. All deine Fragen sind berechtigt. Du musst damit nicht allein bleiben. Gibt es einen Menschen, dem du vertraust? Selbst wenn diese Person sich nicht so gut mit deiner Situation auskennt, kennt sie vielleicht jemanden, der Rat weiß.
Im akuten Notfall ruf bitte immer die 112 (Feuerwehr) oder die 110 (Polizei) an.
Wenn du jemanden zum Reden und Zuhören brauchst, kannst du versuchen, eine der folgenden Personen anzusprechen:
eine Lehrkraft deines Vertrauens
deine Ärztin oder dein Arzt
eine erwachsene Person deines Vertrauens oder ein Familienmitglied
deine Freundinnen oder Freunde
Du möchtest einfach nur mit jemandem reden?
Hier gibt es verschiedene Angebote, bei denen du anonym bleiben kannst.
Wenn du Hilfe brauchst, kannst du dich jederzeit über das Kontaktformular unten auf dieser Seite bei uns melden - oder du schaust direkt in deiner Region nach. Es gibt viele Menschen, die für dich da sein wollen.